Neuerscheinung

Erscheint vsl. September 2020

Lass uns Worte finden

Drei Frauen, herausgerissen aus dem Alltag – von Worten –, noch sind es keine Liebesworte, sondern die von herausragenden Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Erzählungen, Romane, Gedichte, die Franz Kafka, Boris Pasternak und Paul Celan verfasst haben, sind wie eine Pforte, die die drei Frauen durchschreiten, um sich mit ihrer ganzen Existenz für diese Literatur einzusetzen. Dabei werden Milena Jesenká, Olga Iwinskaja und Ingeborg Bachmann selbst zu Schreibenden. Sie treten in einen Dialog ein mit den drei Männern, denen sie ebenbürtig sind. Wechselseitiges Geben und Nehmen trägt die schriftstellerische Zusammenarbeit. Keine der Frauen fühlt sich am Ende der Zusammenarbeit betrogen, obwohl die Liebesbeziehungen scheitern. Denn keiner der Männer bricht mit den Frauen ganz. Auch wenn ein gemeinsames Leben nicht gelingt, so haben Kafka, Pasternak und Celan bis zu ihrem Lebensende größte Hochachtung vor den früheren Geliebten, die nicht nur ihr Schreiben gefördert, sondern ihm eine wesentliche Prägung mitgegeben haben.

Die Prager Milena Jesenská wird die erste Übersetzerin von Franz Kafka, die seine Erzählungen vom Deutschen ins Tschechische überträgt. Außerdem ist sie eine vielseitige Essayistin und Journalistin, die 1939 als Widerstandskämpferin Verfolgten des Nazi-Regimes zur Flucht verhilft.

Olga Iwinskaja ist für Boris Pasternak nicht nur Gesprächspartnerin, wenn es um Literatur und Politik geht, sie ist auch Vorbild für die Frauengestalt „Lara“ in seinem Roman Doktor Schiwago, der zu den hervorragenden der russischen Moderne gehört. Als er 1958 den Nobelpreis verliehen bekommt und ihn aus politischen Gründen nicht annehmen kann, steht sie ihm zur Seite. Sie nimmt Bespitzelungen, Verhöre, Folter und jahrelanges Arbeitslager auf sich für ihre große Liebe und für „unseren Roman“, wie sie Doktor Schiwago stolz nennt.

Ingeborg Bachmann lernt Paul Celan in jungen Jahren kennen, sie bewundert ihn, eifert ihm nach wie eine Schülerin. Als sie schon eine anerkannte Lyrikerin ist, wirbt sie weiterhin für sein Werk und stellt ihres in den Schatten. Doch dann gibt es den Wendepunkt: Celan bezieht sich auf ihre Gedichte, sie wird Vorbild für ihn. In seinen schlimmsten seelischen Krisen ist sie, neben seinem Freund Klaus Demus, sein stärkstes Korrektiv.

Die drei Frauen waren nicht nur begabt und mutig, sie sind ihren eigenen Weg gegangen, in Krisenzeiten, in Kriegszeiten und in Zeiten großer Liebe.

Ausstellungen

Literaturhaus Berlin:
Titel: „In den Augen Rosa Luxemburgs“.
Scherenschnitte, Collagen und Graphiken
Vom 10. Januar 2019 bis 28. Februar 2019
Ort: Literaturhaus Berlin, Fasanenstraße 23, 10719 Berlin.
„Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin kein richtiger Mensch, sondern auch irgendein Vogel oder ein anderes Tier in Menschengestalt; innerlich fühle ich mich in so einem Stückchen Garten wie hier in Wronke oder im Feld in Lichterfelde unter Hummeln und Gras viel mehr in meiner Heimat als – auf einem Parteitag. Ihnen kann ich ja wohl das alles sagen: Sie werden nicht gleich Verrat am Sozialismus wittern. Sie wissen, ich werde trotzdem hoffentlich auf dem Posten sterben: in einer Straßenschlacht oder im Zuchthaus. Aber mein inneres Ich gehört mehr meinen Kohlmeisen als den ‚Genossen‘“.

Stadt-Bücherei-Anna-Seghers: in Mainz
Titel: „Ausgezeichnete Frauen – Die Nobelpreisträgerinnen für Literatur im Kontrast“.
Scherenschnitte und Graphiken
Vom 14. Oktober bis zum 24. November 2019
Ort: Anna-Seghers-Bücherei, Anna-Seghers-Platz, 55118 Mainz

Die letzte Veröffentlichung

  • Ich schreibe, also bin ich
    Ich schreibe, also bin ich

     Das Buch geht den Problemen nach, denen alle schreibenden Frauen gleichermaßen bei ihrer Arbeit unterworfen sind. Im Mittelpunkt steht dabei die Bemühung, die allem erst den Boden bereitet: der Kampf um das eigene Zimmer, die Suche nach dem Platz zum Schreiben, dem Raum der Kreativität. Selten hat diese Kreativität Paläste

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